Was ist Gebärdensprache?

Gebärdensprachen sind natürliche Sprachen, die sich in den jeweiligen spezifischen Sprechergemeinschaften der Gehörlosengemeinschaft entwickelt haben. In Deutschland wird die nationale Sprache der Gehörlosen als DGS (Deutsche Gebärdensprache) bezeichnet. Gebärdensprachen sind als echte Sprachsysteme abzugrenzen von Gesten, wie wir sie aus dem Alltag kennen. Im Gegensatz zu Gesten sind Gebärdensprachen natürliche und komplexe Sprachsysteme und auf allen sprachlich relevanten Ebenen von der phonologischen bis zur Diskursebene ähnlich strukturiert wie Lautsprachen.

Aber es gibt auch interessante Unterschiede. Der auffälligste Unterschied zwischen Laut- und Gebärdensprachen ist deren unterschiedliche Modalität. Gebärdensprachen sind gestisch-visuell im Gegensatz zur artikulatorisch-auditiven Lautsprache. Ein besonderes Merkmal der Wahrnehmung über den visuellen gegenüber dem auditiven Kanal ist die Tatsache, dass visuell generell viele Informationen gleichzeitig wahrgenommen werden, etwa Form, Farbe, Bewegung, Hintergrund etc.. In Gebärdensprachen wird dieser Umstand ausgenutzt, indem neben der linearen Abfolge von sprachlichen Elementen auch deren simultane Präsentation in hohem Maße genutzt wird. In neueren Forschungen konnte gezeigt werden, dass die Modalität einer Sprache einen Einfluss auf Konzeptualisierungsprozesse haben kann. So verändert das hohe Maß an Simultaneität und Ikonizität die Struktur der semantischen Netzwerke (Grote, 2004). Zudem konnte gezeigt werden, dass die medialen Eigenschaften des DGS-Zahlensystems einen Einfluß auf die mentale Zahlenverarbeitung haben (Iversen, 2008).

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